Acht Jahre lang haben die Anwohner der Tiefenorter Frankensteinstraße in Angst und Schrecken gelebt. Nach dem ersten Erdfall 2002 fürchteten sie bei jedem Knarren im Haus, bei jeder Erschütterung, dass sich der Krater erweitert und ihre Häuser verschluckt. Noch elf kleinere Erdfälle folgten. Nun ist es für fünf Familien traurige Gewissheit geworden. Sie müssen ihre Häuser räumen. Sie stehen vor dem Nichts.
Erdfall
Die 74-jährige Marlene Rößler hat ihr ganzes Leben in diesem Haus verbracht. Nur mit starken Beruhigungsmitteln sind sie und ihr Mann Rudi in der Lage, das Haus auszuräumen. Auch Kurt Block, der Vorsitzende des Tiefenorter Erdfallhilfevereins, lebt seit 61 Jahren in der Frankensteinstraße. “Meine Frau und ich haben keine großen Reisen gemacht, jeden Cent in unser Zuhause gesteckt, nun war alles umsonst.”

Die fünf betroffenen Familien benötigen unbürokratische und schnelle Hilfe. Da sind sich alle einig. Nur gehen die Vorstellungen darüber, wie die Hilfe aussehen könnte, weit auseinander.

Die Forderung der Betroffenen ist klar: “Wir wollen Entschädigung. Wir sind unverschuldet in diese Situation geraten, haben alles verloren. Wir brauchen Hilfe. Wenn es schon nicht möglich ist, Baugrundstücke zur Verfügung zu stellen und fünf Häuser zu errichten, dann müssen die betroffenen Familien wenigstens entschädigt werden”, sagt Block.

Auch Landrat Reinhard Krebs und Bürgermeister Hans-Georg Hüther (beide CDU) sehen sich in der Pflicht. Im Ergebnis einer nicht öffentlichen Beratung des Gemeinderates mit dem Thüringer Umweltstaatssekretär Roland Richwien und den Betroffenen luden sie gestern zur Pressekonferenz. Das Hilfsangebot sei vielschichtig. Land, Bund, Kreis und Gemeinde müssten gemeinsam handeln. Trotzdem werde ein “Kostenblock übrig bleiben, über den nachverhandelt werden müsse”, sagt Krebs.

Das Land werde den Betroffenen günstige Baudarlehen zur Verfügung stellen. In den ersten zehn Jahren sollen sie zinslos sein, danach mit zwei Prozent verzinst werden. Bauanträge sollen schnell und unbürokratisch bearbeitet werden. Die Gemeinde werde bei der Bereitstellung von Baugrundstücken helfen. Die Thüringer Aufbaubank habe sich bereit erklärt, die Versicherungspolicen zu prüfen. Rechtsbeistand, so Krebs, könne allerdings nicht gewährt werden.

Weiter habe der Umweltstaatssekretär zugesichert, zu prüfen, inwieweit das Land die einsturzgefährdeten und nicht mehr bewohnbaren Häuser übernehmen könne. Denn eigentlich seien die Eigentümer für die Häuser verantwortlich, sprich auch für die Sicherungspflicht und einen möglichen Abriss.

Die Situation der betroffenen Familien sei sehr unterschiedlich. Deshalb sollte in Einzelgesprächen geklärt werden, wie am besten geholfen werden könne, schlägt Krebs vor. In einem Fall werde er sich persönlich dafür verwenden, dass ein Darlehen für eines der einsturzgefährdeten Häuser nicht weiter gezahlt werden müsse.

Landrat und Bürgermeister ist bewusst, dass diese ersten Hilfsangebote nicht ausreichend sind. Es gebe keine gesetzliche Grundlage, um einfach fünf neue Häuser zu errichten. Deshalb bittet der Landrat gemeinsam mit dem Tiefenorter Erdfallhilfeverein um Spenden. In dem Spendenaufruf heißt es: “Zusammen mit den lokalen und regionalen Tageszeitungen und Rundfunkstationen rufen der Tiefenorter Erdfallhilfeverein, der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, MdL Christian Hirte, die Kirchgemeinde Tiefenort und Tiefenorts Bürgermeister, Hans-Georg Hüther, zu Spenden für die Menschen in Tiefenort auf, die nach dem Erdfall ein neues Zuhause brauchen. Nach dem Unglück vor gut zwei Wochen hatten 13 Menschen ihr Haus verlassen müssen. Die Betroffenen müssen spüren, dass sie nicht alleingelassen werden. Wir alle müssen gemeinsam nach Mitteln und Wegen suchen, das schwere Schicksal dieser Familien zu lindern. Überall auf der Welt helfen wir Deutsche Menschen in Not, nun sind es unsere Nachbarn in Tiefenort, die unsere Hilfe dringend brauchen.” Eine Benefizveranstaltung mit dem Vokalensemble “Viva la Musica, deren Erlös auf das Spendenkonto des Erdfallhilfevereins gehen soll, wird in der Tiefenorter Kirche am 6. März stattfinden. Erste Spender haben sich gemeldet. Der Vorstandsvorsitzende der Wartburg-Sparkasse, Peter Bock, sicherte zu, dass für jeden der betroffenen fünf Haushalte jeweils eintausend Euro auf das Spendenkonto überwiesen werden.

SPENDENKONTO

Inhaber der Spendenkontos: Erdfallhilfeverein e. V.
Kontonummer: 138 380
BLZ: 840 550 50
Bank: Wartburg-Sparkasse
Stichwort: Hilfe für Erdfallopfer

Spendenquittungen können auf Wunsch ausgestellt werden.

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